Generalprobe

Das Dress Rehearsal

Eine Generalprobe dient der Validierung einer Cut-Over-Planung; sie findet unter Echtbedingungen statt. Es wird die Funktionsweise der gesamten am Cut-Over beteiligten Organisation unter Beweis gestellt. Die Generalprobe ist somit ein Training für die Cut-Over Mannschaft und sollte folglich mit denselben Mitarbeitern erfolgen, die auch den Cut-Over durchführen.

Die Generalprobe findet mit eingerichtetem Leitstand statt; sie simuliert Go/NoGo Entscheidungen durch die designierten Manager (sie sind Teil der Cut-Over-Mannschaft).

Die Generalprobe erfolgt möglichst unter Echtbedingungen, aber ohne produktiven Schwenk. Alle Abläufe sollten an genau denselben Wochentagen und Zeiten durchgeführt werden, zu denen der eigentliche Cut-Over vorgesehen ist. Ziel ist, den eigentlichen Cut-Over soweit wie möglich von Unwägbarkeiten zu befreien. Hierzu gehören alle Arten von Hindernissen wie Netzknoten, die nachts unerwartet schlechten Durchsatz aufweisen oder Türen, die sich sonntags morgens nicht öffnen lassen… Auch Banalitäten haben schon Migrationen ins Straucheln gebracht.

Die eigentlichen technischen Aspekte (Datenübertragung, Netzwerkschwenk etc.) sollten bereits vor der Generalprobe nachweislich ausgetestet sein. Der Schwerpunkt der Generalprobe liegt auf der Organisation.

Gewöhnlich genügt eine Generalprobe. Andere Best Practices empfehlen mindestens drei Generalproben – wobei diese Empfehlungen Testläufe der zeitkritischen großen Migrationsschritte meinen. Diese Tests sind wichtig und sollten in jedem Fall mehrfach erfolgen – zumal hierbei oft auch noch Optimierungen herausgearbeitet werden können. Die Validierung des gesamten Ablaufs, wie in diesem Dokument die Generalprobe verstanden wird, sollte tatsächlich aber nur in Ausnahmefällen mehr als einmal stattfinden.

Die Generalprobe soll Risiken für den eigentlichen Cut-Over reduzieren. Werden solche ‘Events’ mehrfach durchgespielt, stellt sich vermeintliche Routine ein, die insbesondere zur Unzeit (nachts) wiederum zum Risiko wird. Ein Cut-Over fordert höchste Konzentration – bei jedem Schritt.

Während modularisierte technische Tests gewöhnlich zur normalen Arbeitszeit erfolgen, wird die Generalprobe analog zum eigentlichen Cut-Over in der Regel am Wochenende und nachts erfolgen. Es fallen Überstunden in erheblichem Umfang an – und das während Zeiten, die vielfach mit deutlichen Zuschlägen zu vergüten sind.

Wichtiger als der materielle Aspekt ist jedoch noch die Belastung der Mannschaft. Bereits mit nur einer einzigen Generalprobe fehlen zusammen mit dem Cut-Over am Ende doch gleich zwei Wochenenden für Familie und Freizeit. Ein Cut-Over fordert von den Mitarbeitern höchsten Einsatz sowie Genauigkeit und im Fehlerfall Esprit plus Lösungskompetenz. Missstimmungen im privaten Umfeld wirken sich hier nicht förderlich aus.

Eine Generalprobe im Sinne des hier vorliegenden Dokuments sollte also nur wiederholt werden, wenn sie soweit gescheitert ist, dass ein Cut-Over mit den gemachten Erfahrungen nicht zu rechtfertigen wäre. Alle Probleme, die gemeistert wurden oder für den Cut-Over sicher ausgeräumt werden können, sollten keine erneute Generalprobe motivieren.

Die Generalprobe sollte möglichst zwei Wochen vor dem Cut-Over stattfinden. Mit diesem Ansatz liegt ein freies Wochenende für die Erholung der Mannschaft zwischen den Ereignissen. Ein Abstand von mehr als zwei Wochen gefährdet wiederum den Trainingseffekt.